Arbeiten mit einem Streamer


Ein Streamer ist unter Linux ein sogenanntes Character-Device. Es gibt darauf kein Dateisystem, das Ihr mounten könntet. Somit kann auch ein Streamerband unter Linux nicht gemountet werden. Zum Schreiben auf und zum Lesen vom Band könnt Ihr Programme wie tar und cpio verwenden. Für diese Programme ist ein Streamer eine Blackbox. tar nicht weiß, an welche Stelle auf dem Band gerade geschrieben wird und kann das Band auch nicht vor- oder zurückspulen.

Für Bandoperationen (vor- oder zurückspulen, löschen, Suchen einer Bandstelle etc.) gibt es das Programm mt (magnetic tape). Auch für mt ist das Band eine Blackbox. mt kennt nicht die Daten auf dem Band, aber es kennt z.B. die Position des Bandes. tar und mt ergänzen sich also.

Bei beiden Programmen müsst Ihr das zum Streamer gehörende Device angeben. Wie es heißt, hängt von der Art des Streamers ab. Der erste SCSI-Streamer im System heißt /dev/st0, ein QIC-80- oder Travan-Floppystreamer könnt Ihr über /dev/ftape ansprechen. Ein ATAPI-Streamer wird z.B. als /dev/hdb entdeckt, erhält also die Bezeichnung, die eine Festplatte an gleicher Stelle erhalten würde. Je nach Konfiguration kann es aber auch /dev/tape oder /dev/rmt0 sein. Dann wird er aber in /dev/htx und /dev/nhtx umbenannt und ist nur dort zu erreichen. Verwendet man mit tar /dev/hdx, erhält man Fehlermeldungen (was ja auch klar ist, weil für die /dev/hdx Geräte ein Block-Device-Treiber zuständig ist). Hier der entsprechende Bereich im Boot-Log:

hdd: HP COLORADO 8GB, ATAPI TAPE drive
ide0 at 0x1f0-0x1f7,0x3f6 on irq 14
ide1 at 0x170-0x177,0x376 on irq 15
hda: IBM-DTTA-351010, 9671MB w/466kB Cache, CHS=1232/255/63
hdb: IBM-DTTA-351010, 9671MB w/466kB Cache, CHS=19650/16/63
hdc: ATAPI 16X CD-ROM drive, 128kB Cache
Uniform CD-ROM driver Revision: 3.11
ide-tape: hdd: overriding capabilities->speed (assuming 650KB/sec)
ide-tape: hdd: overriding capabilities->max_speed (assuming 650KB/sec)
ide-tape: hdd <-> ht0, 650KBps, 16*32kB buffer, 3200kB pipeline, 250ms tDSC

Wenn keine Datei und kein Gerät angegeben ist, versucht tar, auf einen Streamer zuzugreifen.

Die hier beschriebenen Streamer sind sogenannte rewinding devices. Das bedeutet, dass nach dem Ende jeder Schreib- oder Leseoperation das Band automatisch an den Anfang zurückgespult wird. Ein weiterer Schreibvorgang würde die vorhandenen Daten überschreiben. Gebt als Device das entsprechende nonrewinding device, also z.B. /dev/nst0 oder /dev/nftape an, wenn Ihr möchtet, dass das Band nach dem Ende eines Schreib- oder Lesevorgangs an der Stelle stehen bleibt, an der es sich zuletzt befand.

Beispiele für den Umgang mit einem Streamer:

Zurückspulen des Bandes:

user@sonne> mt -f /dev/st0 rewind

 

Sichern des Verzeichnisses /var auf den Streamer:

user@sonne> cd /; tar -cvf /dev/st0 /var/

 

Vergleich der geschriebenen Daten:

user@sonne> tar -dvf /dev/st0

 

Die tar-Option -dv bewirkt, dass die jeweils gerade überprüfte Datei auf dem Bildschirm ausgegeben wird. Falls eine Abweichung zwischen Band und Platte festgestellt wird, gibt tar eine entsprechende Meldung aus.
 

Aktualisiert:   Jörg Hopfe   1.12.2001
 

Autor: Omega-X